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Schreibstil deiner Abschlussarbeit - Guide

25. Okt. 202616 Min. Lesezeit
Schreibstil deiner Abschlussarbeit - Guide

Deine Abschlussarbeit ist eine wissenschaftliche Arbeit, deshalb musst du sie in einem formellen Stil schreiben. Der richtige Schreibstil ist entscheidend für den Erfolg deiner Arbeit. Er zeigt nicht nur, dass du die Inhalte verstehst, sondern auch, dass du die Konventionen wissenschaftlichen Arbeitens beherrschst. In diesem umfassenden Guide erfährst du alles über den richtigen Schreibstil für deine Abschlussarbeit.

Warum ist der Schreibstil so wichtig?

Der Schreibstil deiner Abschlussarbeit erfüllt mehrere wichtige Funktionen:

  • Glaubwürdigkeit: Ein professioneller Stil verleiht deinen Argumenten Gewicht
  • Klarheit: Wissenschaftliche Sprache ist präzise und unmissverständlich
  • Objektivität: Der formelle Ton signalisiert sachliche, unvoreingenommene Analyse
  • Lesbarkeit: Guter Stil macht komplexe Inhalte verständlich
  • Bewertung: Der Schreibstil fliesst in die Note ein

Das solltest du vermeiden

Bestimmte sprachliche Elemente haben in einer wissenschaftlichen Arbeit nichts zu suchen:

Umgangssprache

Vermeide alltägliche, lockere Formulierungen, die du im Gespräch verwenden würdest.

Vermeiden:

  • "Das ist echt wichtig..."
  • "Man kann sich vorstellen..."
  • "Das klappt nicht so richtig..."
  • "Es gibt mega viele Studien..."

Slang und informelle Ausdrücke

Slang, Abkürzungen aus dem Alltag und trendige Begriffe sind tabu:

  • Keine Jugendsprache oder Modewörter
  • Keine englischen Begriffe, wenn deutsche Entsprechungen existieren
  • Keine Chat-Abkürzungen (z.B. usw. sparsam verwenden)

Die Ich-Form

In den meisten Fachbereichen wird die Verwendung der ersten Person Singular vermieden. Stattdessen werden unpersönliche Konstruktionen oder die Passivform verwendet.

Schlechtes Beispiel:

"Ich habe herausgefunden, dass..."

Gutes Beispiel:

"Die Analyse zeigt, dass..." oder "Es wurde festgestellt, dass..."

Hinweis: In einigen Fachbereichen (besonders in den Geisteswissenschaften) ist die Ich-Form mittlerweile akzeptiert. Kläre dies mit deinem Betreuer ab.

Emotionale Ausdrücke

Wissenschaftliche Texte sind sachlich und neutral. Vermeide:

  • Übertreibungen ("unglaublich wichtig", "revolutionär")
  • Wertungen ("leider", "zum Glück", "erfreulicherweise")
  • Dramatisierungen ("katastrophale Auswirkungen")
  • Absolute Aussagen ("immer", "nie", "alle")

Füllwörter und Floskeln

Entferne unnötige Wörter, die keinen Informationsgehalt haben:

  • "eigentlich", "irgendwie", "quasi"
  • "auch", "eben", "halt"
  • "sozusagen", "gewissermassen"

Das ist empfehlenswert

Folgende Stilelemente zeichnen eine gute wissenschaftliche Arbeit aus:

Passivkonstruktionen

Das Passiv betont das Objekt der Handlung und ist daher in wissenschaftlichen Texten üblich:

Aktiv: "Der Forscher führte das Experiment durch."

Passiv: "Das Experiment wurde durchgeführt."

Achtung: Zu viel Passiv kann den Text schwerfällig machen. Variiere zwischen aktiven und passiven Konstruktionen.

Präzise, fachliche Begriffe

Verwende die etablierten Fachbegriffe deines Forschungsbereichs:

  • Nutze Termini technici korrekt und konsistent
  • Definiere Fachbegriffe bei der ersten Verwendung
  • Vermeide synonyme Verwendung unterschiedlicher Begriffe für dasselbe Konzept
  • Bleibe bei einer einmal gewählten Terminologie

Objektive Formulierungen

Wissenschaftliche Aussagen sollten sachlich und überprüfbar sein:

Subjektiv:

"Die Ergebnisse sind beeindruckend."

Objektiv:

"Die Ergebnisse zeigen eine statistisch signifikante Korrelation (r = 0.78, p < 0.01)."

Logische Argumentation

Baue deine Argumentation schlüssig auf:

  • Stelle zuerst die These oder Behauptung auf
  • Liefere dann Belege und Argumente
  • Ziehe schliesslich eine Schlussfolgerung
  • Nutze logische Verknüpfungen (daher, folglich, demzufolge)

Hedging (Abschwächung)

Wissenschaftliche Aussagen sind oft nicht absolut. Verwende abschwächende Formulierungen:

  • "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass..."
  • "Es scheint, als ob..."
  • "Möglicherweise..."
  • "In vielen Fällen..."
  • "Tendenziell lässt sich beobachten, dass..."

Praktische Beispiele für guten Stil

Schlechtes Beispiel:

"Ich finde, das war eine echt gute Idee, die die Forscher da hatten."

Gutes Beispiel:

"Der methodische Ansatz erweist sich als geeignet, um die Forschungsfrage zu beantworten."

Schlechtes Beispiel:

"Die Leute kaufen immer mehr online, weil es einfacher ist."

Gutes Beispiel:

"Der E-Commerce-Umsatz ist laut Statistischem Bundesamt (2023) im Vergleich zum Vorjahr um 12% gestiegen. Als Hauptfaktoren werden die zunehmende Digitalisierung sowie veränderte Konsumgewohnheiten genannt."

Schlechtes Beispiel:

"Social Media ist mega schlecht für Teenager."

Gutes Beispiel:

"Mehrere Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und psychischen Belastungen bei Jugendlichen hin (vgl. Twenge et al., 2018; Primack et al., 2017)."

Satzstruktur und Textfluss

Satzlänge variieren

Ein guter Text besteht aus einer Mischung von kurzen und längeren Sätzen:

  • Kurze Sätze für wichtige Aussagen
  • Längere Sätze für komplexe Zusammenhänge
  • Vermeide Schachtelsätze mit zu vielen Nebensätzen
  • Ein Satz = ein Gedanke

Übergänge gestalten

Verbinde deine Absätze und Kapitel mit logischen Übergängen:

  • Hinzufügung: ausserdem, darüber hinaus, zusätzlich
  • Kontrast: jedoch, hingegen, im Gegensatz dazu
  • Folgerung: daher, folglich, somit
  • Begründung: denn, da, weil
  • Beispiel: beispielsweise, so etwa, dies zeigt sich in

Absatzstruktur

Jeder Absatz sollte eine klare Funktion haben:

  1. Einleitungssatz: Führe das Thema des Absatzes ein
  2. Hauptteil: Entwickle den Gedanken mit Argumenten und Belegen
  3. Schlusssatz: Fasse zusammen oder leite zum nächsten Absatz über

Zeitformen in wissenschaftlichen Arbeiten

Die Wahl der Zeitform hängt vom Kontext ab:

Präsens

Verwende das Präsens für:

  • Allgemeingültige Aussagen und Definitionen
  • Beschreibung deines methodischen Vorgehens
  • Die Diskussion von Ergebnissen und deren Bedeutung

Präteritum/Perfekt

Verwende Vergangenheitsformen für:

  • Beschreibung durchgeführter Forschung (anderer Autoren)
  • Deine eigene Datenerhebung und Analyse
  • Historische Ereignisse und Entwicklungen

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

1. Nominalisierungsstil

Zu viele Substantivierungen machen den Text schwerfällig:

Überladen:

"Die Durchführung der Untersuchung erfolgte unter Berücksichtigung der Einhaltung ethischer Grundsätze."

Besser:

"Die Untersuchung wurde unter Einhaltung ethischer Grundsätze durchgeführt."

2. Unklare Bezüge

Vermeide mehrdeutige Pronomen:

Unklar:

"Die Studie untersuchte den Einfluss von A auf B. Diese war signifikant."

Klar:

"Die Studie untersuchte den Einfluss von A auf B. Der Einfluss erwies sich als signifikant."

3. Redundanzen

Vermeide Wiederholungen und Dopplungen:

  • "bereits schon" - "bereits" oder "schon"
  • "zuerst einmal" - "zunächst"
  • "völlig komplett" - "vollständig"

Tipps für verschiedene Textteile

Einleitung

  • Beginne mit einem interessanten Einstieg, aber bleibe sachlich
  • Formuliere die Forschungsfrage klar und präzise
  • Verwende das Präsens für die Beschreibung des Aufbaus

Theorieteil

  • Definiere zentrale Begriffe bei der ersten Verwendung
  • Verwende beim Referieren von Studien die Vergangenheit
  • Baue die Argumentation logisch auf

Methodenteil

  • Beschreibe das Vorgehen präzise und nachvollziehbar
  • Vermeide umgangssprachliche Beschreibungen
  • Verwende Vergangenheitsformen für durchgeführte Schritte

Ergebnisteil

  • Präsentiere Ergebnisse objektiv, ohne Interpretation
  • Nutze präzise Zahlenangaben
  • Verweise klar auf Tabellen und Abbildungen

Diskussion und Fazit

  • Interpretiere die Ergebnisse vorsichtig (Hedging)
  • Diskutiere Limitationen ehrlich
  • Formuliere Schlussfolgerungen klar und nachvollziehbar

Checkliste für den Schreibstil

  • ☐ Umgangssprache und Slang vermieden?
  • ☐ Ich-Form vermieden (falls erforderlich)?
  • ☐ Emotionale Ausdrücke durch sachliche ersetzt?
  • ☐ Fachbegriffe korrekt und konsistent verwendet?
  • ☐ Füllwörter entfernt?
  • ☐ Satzlänge variiert?
  • ☐ Logische Übergänge zwischen Absätzen?
  • ☐ Zeitformen korrekt verwendet?
  • ☐ Nominalisierungen reduziert?
  • ☐ Text von jemandem Korrektur lesen lassen?

Fazit

Der wissenschaftliche Schreibstil mag anfangs ungewohnt sein, aber mit Übung wirst du ihn beherrschen. Denke daran: Guter Stil bedeutet nicht, kompliziert zu schreiben. Im Gegenteil - das Ziel ist es, komplexe Inhalte klar und verständlich zu vermitteln. Ein präziser, sachlicher und gut strukturierter Text ist das Markenzeichen einer gelungenen wissenschaftlichen Arbeit.

Nutze die Überarbeitungsphase, um deinen Stil zu verbessern. Lies deinen Text laut vor - so erkennst du holprige Formulierungen. Und lass jemanden aus deinem Fachbereich gegenlesen. Mit der Zeit wird der wissenschaftliche Schreibstil zur zweiten Natur werden.

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